Zwei Jahre sind seit unserer letzten Reise vergangen. Sie hat in uns einen Prozess angestoßen: Viele Fragen haben wir im letzten Bericht erwähnt.

Es geht um die Geschichte und die Beziehung von „Judentum“ und „Christentum“. Es geht um die Thora, um den jüdischen Messias Yeshua und um das Königreich Gottes. Wir sind davon überzeugt, dass es – so wie es nur einen Gott gibt – nur ein Volk Gottes gibt. Die Braut ist Israel mit den „eingepropften“ Gläubigen aus den Nationen. Der Leib des Messias in der westlichen Welt hat noch eine große Aufgabe daran, eins mit dem anderen Teil der Braut in Israel zu werden. Uns geht es jetzt wie Abraham, er ist unser Leitmotiv auf dem Weg. Hinaus in ein Land, das JHWH ihm noch zeigen wird, ohne zu wissen, wie das genau aussieht. Vertrautes verlassen. Neues zulassen. Im Vertrauen, dass JHWH seine Verheißungen erfüllt. Der Weg, den wir in den letzten Jahren eingeschlagen haben, wurde auf dieser Reise bestätigt, es gab weniger neue Impulse, vielmehr eine Vertiefung der Gedanken, Bestärkung von Freundschaften – mehr und mehr spüren wir bei allen, die wir besucht haben, dass wir eine Familie sind. Es ist keine Theorie mehr, es wird lebendig.

Das Thema „Aufbruch in etwas Neues“ begegnete uns auf vielen Ebenen: In unserem Umfeld in Deutschland gibt es viele Erschütterungen und Konflikte. Vieles verändert sich, Unsicherheit kommt aus Ecken, aus denen man sie nicht erwartet. Es ist bezeichnend, dass Miriam am Tag unseres Fluges noch an einer Beerdigung teilnahm. Auf der Autofahrt nach Berlin zum Flughafen sahen wir Zugvögel, die Abschied nahmen. Zugvögel aus Europa halten zum Teil auch in Israel – wir konnten einen Nationalpark besuchen (Hula Lake), in dem jedes Jahr ca. 500 mio. Zugvögel kommen.

Wir haben Höhen und Tiefen erlebt. Es gab Tage, an denen alles leicht ging, alles zusammenpasste, und es gab Tage, an denen Erwartungen enttäuscht wurden und die Stimmung sehr angespannt war. Mit drei Kindern waren wir sehr gefordert und noch mehr abhängig von einer angenehmen Atmosphäre. Sie sind ein guter Spiegel und unsere Erinnerung, für ein ausgeglichenes Programm zu sorgen. Zippora konnte sich an einiges erinnern und freute sich auf das Wiedersehen von Freunden, mit denen wir in der Zwischenzeit noch Kontakt hatten. Yonita war für Zippora eine gute Spielgefährtin. Sie redet und versteht schon viel, singt vergnügt, wenn es ihr gut geht. Josia war die ganze Zeit im Prozess des Zahnens – trotz allen täglichen und nächtlichen Kämpfen war er dennoch meistens fröhlich. Besonders hat ihm der Sand gefallen! Baden konnten die Kinder in vier Variationen: Jordan, Schwimmbad, See Genezareth, Mittelmeer. Aber auch andere Naturschauspiele konnten wir genießen: Ausblicke von Bergen in der Wüste, Wetterleuchten, Tiere wie Pfaue, Papageien, Steinböcke oder ein kleiner zahmer Igel, der sogar auf Simeons Schuh geklettert ist.

Unsere Reise begann im Norden und endete im Süden: Zuerst besuchten wir ein Kibbutz in Kfar Blum und trafen dort Yiftach Dahadi, den Enkel einer aus Leipzig stammenden Shoa-Überlebenden (Ihre Geschichte wird im Film ÜberLEBEN erzählt). Er gab uns spannende Einblicke in das Kibbutz-Leben. Ein Ort, an dem man in Israel noch in familiärer, ländlicher und sicherer Umgebung aufwachsen kann.

Weiter südlich stießen wir auf den See Genezareth (Poriya Ilit), dort übernachteten wir bei unseren deutschen Freunden Alexander und Cäcilia Dietze mit ihren zwei Mädchen Eden und Ziona. Sie leben aktuell in Israel, um Shoa-Überlebenden zu dienen (http://zuruecknachzion.de/). Gemeinsam verbrachten wir einen schönen Shabat. Mit im Haus war Perry, ein Amerikaner der deutsche Wurzeln hat und ein Verwandter von Paul Gerhardt ist. Wir gingen zu einem Konzert, dass von den Sächsischen Israelfreunden organisiert wurde. Es war wundervoll, diese Anbetungsmusik – eine Mischung aus deutschen und messianisch-jüdischen Liedern – mit Blick auf den See zu genießen. Wir trafen dort viele bekannte Gesichter. Der Weg ans Mittelmehr führte uns über Haifa, dort trafen wir Avishay Golz mit seiner Frau Chava und Ruth Laps. Während des Treffens regnete es stark, der erste größere Regen nach der Trockenzeit, wir waren dankbar, das so zu erleben. Dieses mal hatten wir mehr Zeit mit Chava, die sonst mehr im Hintergrund ist. Sie ist eine großartige Frau und spricht acht Sprachen.

Es ist wundervoll, die Herzlichkeit mit allen Sinnen zu spüren und zu sehen, wie sich die Israelis freuen, dass wir da sind. Einigen haben wir unsere CD geschenkt, sonst haben wir wenig sichtbares, was wir ihnen bringen konnten. Mit drei Kindern ist die Möglichkeit, zusätzlich noch irgendwo anzupacken, begrenzt. Wir merkten, dass das Größte, was wir ihnen schenken konnten, unsere Zeit, unsere Aufmerksamkeit ist. Den Weg auf sich zu nehmen und Gemeinschaft zu haben ist Statement genug.

In Zichron Yakov verweilten wir längere Zeit. Unsere Freunde Jody und Alyosha Ryabinov haben uns wieder aufgenommen (http://www.songofisrael.com/). Die Gemeinschaft genossen wir sehr, besonders das Zusammensein abends auf der Couch. Wir sprachen viel über unsere Familien, Thora und Gesundheit. Während unserer Reise lasen wir begeistert Alyoshas Buch „Hebräisch denken – Verborgene Edelsteine der Bibel entdecken“. Es gibt einen kurzen, genialen und gut verständlichen Einblick in die Schätze der Bibel, die uns oft verloren gegangen sind. Dort bekommt man eine Vorstellung, was uns so bewegt und motiviert, den „hebräischen Wurzeln unseres Glaubens“ weiter nachzugehen. Herzliche Empfehlung!

An einem Tag konnten wir an einem Konzert für Shoa-Überlebende mit Ryabinovs und Dietzes teilhaben. Wir durften auch ein Lied vorsingen und einige Worte sagen. Die Atmosphäre war sehr offen, fröhlich und liebevoll.

Jerusalem konnten wir natürlich nicht auslassen – dort besuchten wir unter anderem Yossef Aron in seinem Stammcafé. Gabriel Leonhard lud uns zu sich und seiner Familie zum Abendessen ein. Wir verbrachten einen wunderbaren angenehmen Abend mit spontanem Musizieren. Unsere gute Freundin Iphigenie studiert momentan in Jerusalem. Sie machte uns ihr Zimmer frei, dass wir mitten in der Innenstadt übernachten konnten. Gemeinsam mit ihrem Freund erlebten wir einen Shabatabend mit leckerem Essen und lustigen Momenten, dass uns vor Lachen die Tränen kamen. Da Maria Hoffmann auch gerade im Land war, trafen wir uns mit ihr in einem Café.

Mehrfach haben wir JHWHs Versorgung erfahren. Unser Mietauto zum Beispiel ist größer als das was wir reserviert haben, weil die kleinere Variante gerade nicht zur Verfügung stand. Der Preis hat sich dadurch nicht verändert. Dann waren wir aus dem kalten Deutschland im Sommerurlaub im warmen Israel, dort herrschte aber Sommerschlussverkauf, weil für sie Herbst wurde. So haben wir fünf Kleider für die Mädchen gekauft für umgerechnet etwa insgesamt 30 Euro. In einem Café wurde uns fälschlicherweise ein weiteres Essen serviert, das wir dann behalten durften. Wir freuen uns, dass wir an diesen Dingen spüren können, dass da jemand ist der sich kümmert und mit uns ist.

Die längste und letzte Station war die schöne Negev-Wüste. Wir übernachteten bei Familie Glick in einer wunderschönen Ferienwohnung und genossen den Urlaub (https://www.desertrose.co.il/). Bei ihnen spüren wir auch, dass wir zu einer Familie gehören. Es war von Anfang an sehr herzlich. Die Kinder konnten gut miteinander spielen. Von dort aus besuchten wir einige Leute (z. B. Jeanie Gelbart, Roy Burch) und machten Ausflüge.

In Mizpe Ramon nahmen wir an einem Gottesdienst im Gebetshaus teil – seit dem letzten Besuch wurde ein größeres Haus angemietet. Dan und Dalia Alon leiten es, sie haben sich gefreut uns wieder zu sehen. Sie gehen kleine Schritte im Glauben und es ist schön zu sehen, wie es wächst. Ein guter Ort Yeshua anzubeten und für die Ströme in der Wüste und Segen für Israel zu beten! Man spürt auch den Kampf, die Anfechtung, es gab für sie einige Rückschläge. Genau das richtige für Pioniere, die „Land einnehmen“ wollen. Sie freuen sich über Anbeter aus aller Welt, wir vermitteln gerne den Kontakt.

Erneut fuhren wir nach Arad um Zvi und Ariane Leonhard zu treffen (https://zviandariane.com/). Zvi zeigte uns seine Galerie und Ariane gab uns spannende Einblicke in die Geschichte von Abraham.

Da sind wir wieder beim Leitmotiv: Abraham und der Ruf in neues Land. Bei all den Menschen, die wir getroffen haben und den Diensten, die wir kennen gelernt haben kam auch die Frage auf: Und? Was ist mit uns? Was machen wir? Was bewegen wir? Viele haben ihr vorheriges Leben aufgegeben um hier im Land Gottes Ruf zu folgen. Und das sagte uns Yeshua und das geben wir gerne weiter: Vergleicht euch nicht. Euer Weg mit JHWH ist einzigartig. Ihr seid nicht berufen, jemanden zu kopieren, ihr seid berufen, mit JHWH eine Beziehung zu führen und ihm zu folgen, egal, ob es vor der Welt groß oder klein aussieht. Das wichtigste ist, den Ruf („Lech lecha“/„Geh“) zu hören und zu antworten: „Hineni“ (Hier bin ich – ich bin für dich da, ich folge dir). So machen wir uns weiter auf, hin zum Gott Israels – sei es in Deutschland oder in Israel.

Shalom,

Simeon, Miriam, Zippora, Yonita und Josia Rau

 

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