Wir waren in Auschwitz. Wieso fährt man nach Auschwitz? Ein geschichtsträchtiger Ort - "die Auschwitz Lüge" oder "ein Mückenschiss in der deutschen Geschichte" oder ein Denkmal für "industriellen Massenmord"?

Wir das sind 20 junge und ältere Menschen vom Gebetshaus Leipzig und dem Verein Tor nach Zion.

Was wird uns erwarten? - Wie werden wir - jeder einzelne - die Herausforderung überstehen, uns mit diesem finsteren Kapitel deutscher Geschichte hautnah zu beschäftigen? - Es war ein Vorrecht mit Menschen zusammen zu sein, die Christen sind - Unser Glaube an Jesus ist die verbindende Basis - Wir wussten uns aufgehoben in einer tragfähigen Gemeinschaft.

So betraten wir das Lager Auschwitz I, das Stammlager mit all den schrecklichen Orten in dem Bewusstsein, dass vor etwas mehr als 70 Jahren hier Menschen in großer Todesangst und Schrecken leben mussten und umgebracht wurden. Dank der guten Vorbereitung der Organisatoren hatten wir Jacek, einen fachkundigen polnischen Begleiter dabei, der uns mit viel Detailwissen in den damaligen Lageralltag einführte.

Auf einen der besichtigten Räume möchte ich besonders hinweisen. Wir kamen in einen vollständig leeren Raum und dachten zuerst: Baustelle, hier entsteht sicher etwas Neues. Dann wurden wir aufmerksam auf die weißen A4 Blätter, die ringsum in gleicher Höhe befestigt waren. Kinderzeichnung aus dem Lageralltag, die bei der Auflösung des Lagers gefunden wurden. 

Erschreckend lebendig wurde die Erinnerung auch durch die in großen Glasvitrinen gesammelten Utensilien, die den  damaligen Lagerinsassen zum Teil schon bei der Ankunft abgenommen wurden:  Koffer und  Schuhe und Gebetsschals. Weiter ging es zum 3 km entfernten Lager II, "Auschwitz-Birkenau" 200.000 Menschen sollten hier für die nahe gelegene Chemie-Industrie des großdeutschen Reiches Zwangsarbeit leisten. Die bis zum Horizont reichenden Kamine zeigen die geplanten Baracken.

Mit diesen Eisenbahnwagen wurden in den späteren Jahren die Gefangenen direkt zum Lager II  gebracht. An der Außengrenze des Lagers wurden die zweckmäßig großen Gaskammern gebaut, in denen 2000 Menschen gleichzeitig ermordet wurden. Um das himmelschreiende Unrecht zuzudecken, wurden diese Orte des Schreckens vor der Befreiung gesprengt. 

Unmittelbar neben dem 2. Eingang zum Lager II finden wir an einem von außen gesehen fast normalen Wohnhaus diesen bronzenen Löwen. Wenn wir uns seine Mähne genauer anschauen, erkennen wir zentrale jüdische Symbole: ein Schofar, Menorah, Thora-Rollen, aber auch einen Brennofen und in den Abgrund stürzende Menschen: Den Holocaust In diesem Haus wohnen und arbeiten Rick und seine Frau und hier finden wir auch das Kunstwerk dieses Mannes:  Das Kunstwerk verbindet den Holocaust in einer bewegenden Gegenüberstellung vom leidenden und sterbenden Jesus am Kreuz mit totgeweihten, leidenden jüdischen Inhaftierten. Nach der gemeinsamen Einführung hatte jeder einzelne unserer Gruppe eine Zeit der Stille das Kunstwerk auf sich wirken zu lassen. Wie eindrücklich ist die Übertragung des Gebetes Jesu im Garten Gethsemane. Der übervolle Kelch in der Hand von Jesus ist das Bild für sein einmaliges unbeschreibliches Leiden und damit für das einmalige unbeschreibliche Leiden des Volkes Israel. Jesus hat den Kelch bis auf den letzten Tropfen geleert und auch das Volk der Juden hat dieses getan. Dieser grauenvolle und finstere Teil der Geschichte, der mit dem deutschen Volk aufs Tiefste verbunden ist, darf sich niemals wiederholen. Am Ende ist der Kelch leer, beide sind aus dem Grab auferstanden und Jesus hält den Überlebenden umfangen.