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Im Ghetto von Theresienstadt gab es über 3 Jahre hinweg verschiedene Fussballigen für Erwachsene und für die Jugend. Die Spiele wurden von vielen Zuschauern gesehen und die Spieler gewannen deren Bewunderung.
Spieler die überlebt haben erzählen folgendes über die Atmosphäre der Spiele: Sogar SS-Offiziere, die die Spiele sahen, liebten diese und feuerten die jüdischen Spieler an.
Fotografierte Bilder wurden natürlich zu Nazipropagandazwecke genutzt.
Seinen 20. Geburtstag feierte Franta Maier im Mai 1942, im Ghetto von Theresienstadt. Es wurde keine grosse Geburtstagsparty gefeiert im Block, 2 Monate nachdem er mit 45 Waisenkindern aus der Stadt Brno (Brünn) dorthin gebracht wurden ist. Sie kamen in eines von insgesamt 3 Kinderhäusern, in jedem dieser drei Kinderhäuser waren 350 Tschechischsprechende Kinder im Alter von 11-17 Jahren untergebracht. Das Leben der Kinder spielte sich in einem Gruppenrahmen ab und sie lernten und arbeiteten in einem Gemüsegarten. Das Ziel war, sie so weit wie möglich vom Horror des Ghettos zu isolieren und sie für das Pioniersleben in "Eretz Israel" vorzubereiten und sie im Geist der zionistischen Jugendbewegung zu erziehen.
Die Waisengruppe war im Zimmer 7 untergebracht. Maier, der ihr Leiter war, sorgte nicht nur für Ordnung und Disziplin, sondern gab ihnen auch väterliche Liebe. Die Erziehung die er ihnen gab, war voller Werte. Er übte mit ihnen Theaterstücke und gründete insbesondere eine eigene Fussbalmanmschaft im Ghetto, der er den Namen "" (hebräisch für Adler) gab. Ihre Mannschaftsfarben waren rot und weiss.
Es wurden 3 Sportmagazine herausgebracht, von denen nur eines erhalten blieb – mit dem Namen "rim-rim-rim", welches dem Anfeuerungsruf während der Fußballspiele war, "vorwärts Adler, rim-rim-rim". Der Herausgeber war ebenfalls ein Spieler (er wurde 1944 in Auschwitz vergast), die Autoren waren zwischen 13 und 14 Jahren alt. Von der Zeitung wurden nur 6 Kopien gedruckt und gaben eine weitreichende Berichterstattung über die Fussballspiele der Liga der Jugend und der Erwachsenen in Theresienstadt. Es wurden auch Artikel über bekannte jüdische Sportler, die im Ghetto lebten, veröffentlicht. In der 18. Ausgabe, kritisiert Maier seine Schützlinge, in einem von ihm geschriebenen Artikel, dass außer der täglichen Verrichtungen, wie duschen, essen, aufräumen, spielen und lernen, sie nicht genug für die Zeitung beitrugen. "Und ist dies nicht ein Zeichen der Armut der Jungen, im Alter von 14? Werdet endlich erwachsen, wachst aus euren Windeln raus, vergesst eure Spielzeuge und beschäftigt euch endlich einmal mit etwas Ernsterem", schrieb und fasste er mit Empfehlung zusammen, damit sie anfangen zu schreiben "so dass sie ihren Weg verbessern."
Franta, heute Francis, Maier lebt in Los Angeles und wird bald 87 Jahre alt. Am Telefon klingt er frisch und scharfsinnig. Er wurde in ein wohlhabendes Elternhaus in Brno geboren, als das Mittlere dreier Kinder. Er lernte an jüdischen Schulen und im Alter von 19 Jahren, wurde er Torwart in einer Fussballmannschaft, er war ein leidenschaftlicher Zionist und unterrichtete im jüdischen Waisenhaus der Stadt.
Als er mit seinen Kindern nach Theresienstadt kam, übertrug ihm Otto Zucker, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Brno, einer der einflussreichsten Menschen des Ghettos, die Verantwortung der kollektiven Erziehung seiner Kinder.
(Auf einem der übriggebliebenen Bilder sieht man wie Maier auf den Platz, den sie als Fußballfeld nutzen und der ohne Gras war, läuft. Links von ihm sieht man den Torwart Jirka Tausig-Tessar und hinter ihm kommt von hinten der Spieler Pawel Breda. Das Foto, sagt Maier, wurde aufgenommen am Anfang des Spieles "Mähren gegen Böhmen", welches die Liga eröffnete. Das Spiel fand auf dem Platz gegenüber der Magdeburger Baracke statt, in dieser sass die Leiterschaft der "Selbstverwaltung" vom Ghetto. Heute wird ist es ein Teil des Museums vom Ghetto. " Ich war der Torwart und sie schossen ein Tor, aber das Spiel endete 1:6 für uns," erzählt er. "Bei den Zuschauern sass eine junge Frau, an der ich sehr interessiert war, doch nur nach einiger Zeit nach unserem Sieg, begann eine Romanze zwischen uns und sie wollte mich dann nicht mehr hergeben."
Maier spielte nicht nur für die Fussballmannschaft "Adler", sondern er glaubte auch an diese, trotzdem der Fussball nicht das Zentrum seines Lebens war. "Wir spielten zwei mal die Woche Fussball und das war schön. Es kamen unglaublich viele Zuschauer, denn die Spiele gaben ihnen die Möglichkeit sich von den täglichen Schwierigkeiten abzulenken. Wir wurden verehrt wie die Fussballspieler und Rockstars von heute. Da wir qualifiziert und leistungsstark waren, war es verständlich, dass wir fähig waren die Zuschauer zu erheitern und erregen. Doch im Ghetto war ich die meisten Stunden des Tages mit anderen Dingen beschäftigt. Ich hatte mich um kranke Kinder im Krankenhaus zu kümmern. Es gab furchtbare Krankheiten, endlose Sitzungen und überhaupt , wenn du mit Kindern arbeitest hast du keine freie Minute."
Maier erzählt, dass die Spieler die Kleidung für die Spiele von der Direktion des Ghettos erhielten. "In Theresienstadt konnte man alles kriegen", erzählt er. "Das war die Tragödie. All erinnern sich an die kulturellen Arbeiten an den verschiedenen Opern, doch waren diese eine gute Deckung und Tarnung dafür, dass fortlaufend Menschen in den Osten geschickt wurden. Als ich einmal fragte, was mit ihnen im Osten geschehen, sagte man mir, ich solle mich nicht in Dinge mischen die mich nichts angingen. Ich habe 15 Familienmitglieder im Holocaust verloren, darunter meine Eltern und meinen kleinen Bruder. Die Menschen glauben, dass Theresienstadt ein Vorzeigeghetto war, doch dieser Platz war furchtbar und wir kämpften ums Überleben. Ich tat alles, um die Kinder von der Wirklichkeit fernzuhalten."
Mehr als 15000 Kinder arbeiteten im Ghetto Theresienstadt und von diesen überlebten 1100. Die Schützlinge von Maier wurden im September 1944 mit ihm zusammen auf Transport nach Auschwitz-Birkenau geschickt. Doch wegen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit wurde er von dort aus auf einen anderen Transport geschickt, jedoch gelang ihm die Flucht nahe des Flusses Eger (Oberösterreich), er sprang aus dem Wagen und es gelang ihm nach Budapest zu entkommen.
Im Mai 1945, nach Ende des Krieges, kehrte er in die Tschecheslowakei zurück. Sein älterer Bruder, der während des Krieges Europa verlassen hatte und in der englischen Armee diente, kehrte ebenfalls zurück. Im Jahre 1952, als Maier mit seiner Frau von Israel nach New York zog, hatte er eine sehr schwierige Zeit, denn sein Bruder war aus politischen Gründen in der Tschecheslowakei ermordet worden. In dieser Zeit wurden in Prag Schauprozesse abgehalten: 14 Hauptverantwortliche der kommunistischen Partei und ihrer Regierung , 11 von ihnen waren Juden, wurden für schuldig befunden, die Regierung stürzen zu wollen, die meisten von ihnen wurden exekutiert.
In New York gründete Maier eine Firma die Papier produzierte und vertrieb, heute ist der Direktor dieser Firma sein Sohn.
"Die Kleiderkammer Gruppe"
Oded Breda ist heute der Leiter von "Bet Therezin" im Kibbutz Givat Haim. Vor 4 Jahren ging er auf Reise zur Suche der Wurzeln seiner Familie in Tschechien und fing an nach zu forschen, was im großen und ganzen mit seinem Onkel Pawel Breda, der auf dem Foto mit Maier zu sehen ist, geschehen war. Ihm wurde bewusst, dass dies das letzte Mal war, dass sein Onkel mit der Fußballmannschaft auf das "Fußballfeld" zum spielen ging.
Sein Vater, Mosche Breda, der bei der Armee gearbeitet hatte und dann nach Tel Aviv zog, wurde 1923 in Brno geboren. 13 Monate später wurde sein Bruder Pawel geboren. Sie waren wir Zwillinge und machten alles zusammen. Ihre Liebe zum Sport begann früh, sie betrieben: Fußball, Eishockey, Ski und Athletik. 1939 versuchte die Familie nach Palästina aus zu wandern, doch die Mutter war herzkrank und der Vater fürchtete sich vor der Hitze im Land. Die Eltern erhielten eine Erlaubnis von den Briten, nach Palästina aus zu reisen und schickten den 16 Jahre alten Mosche, doch Pawel der jüngere der beiden blieb bei ihnen. Nachdem der Krieg geendet hatte, fuhr Mosche, der während des Krieges, in den jüdischen Brigade der britischen Armee, in Italien gekämpft hatte, in die Tschecheslowakei, um nach seiner Familie zu suchen. In Brno erhielt er die schreckliche Nachricht, dass seine Eltern und sein Bruder nach Theresienstadt geschickt worden waren und von dort aus waren seine Eltern nach Auschwitz geschickt wurden, wo sie sofort ermordet wurden und sein Bruder wurde 1944 in ein Arbeitslager in Deutschland geschickt und starb dort an den Folgen des Hungers.
Bei der zweiten Fahrt Oded Bredas nach Theresienstadt, kam ihm die Idee, dass letzte Spiel bei dem sein Onkel mitgespielt hatte, auf dem "Fußballplatz" des Ghettos, nach zu spielen. Doch die Idee wurde nicht verwirklicht. Bei der Suche nach der Geschichte Pawels tauchte Breda in die historische Vergangenheit Theresienstadts ein. Im letzten Jahr gab er seine Arbeit bei einer Hightech Firma auf und leitet seitdem "Bet Theresien"."Ich tauschte die "Welt des Geldes" gegen "die Welt der Werte", sagt er.
Dank Breda, der das Archivmaterial gegeben hat, öffnete heute Nelly Aman Galerie in Tel Aviv, eine Ausstellung über die Fußballliga, die es über drei Jahre hinweg in Theresienstadt gegeben hatte. Neben anderem sahen wir dort einen Kurzfilm und Interviews mit ehemaligen Spielern. Frantisek Planicka, ein berühmter tschechischer Fußballspieler, war der Held in der Kindheit von Jirka (heute Georg) Tausig-Tessar, dieser wuchs in Prag auf und war über Jahre hinweg Fußballtorwart und spielte in der tschecheslowakischen Eishockeymannschaft. Am 17.November 1938, ein paar Tage nach der Reichspogromnacht in Deutschland, spielte Tessar im Tor der tschecheslowakischen Fußballmannschaft gegen Ungarn. Das Spiel fand in Budapest statt. Tessar wurde von den Zeitungen als bester Fußballer des Platzes gefeiert. Tessar, heute 90 Jahre alt, erzählt am Telefon von San Francisco, wo er lebt, dass im Juni 1943 seine Familie gefangen genommen wurde und nach Theresienstadt mit dem Zug geschickt wurde. Sein Vater wurde ins Gefängnis "die kleine Festung" gebracht und anschließend nach Buchenwald geschickt, dort wurde er erschossen.
Tessar und seine Mutter wurden im Ghetto untergebracht und weil er schon ein berühmter Fußballspieler war, wollte die Gruppe, dass er weiterhin an ihrer Seite spielt. Am Ende arbeitete er bei der Gruppe "Kleiderkammer", wo die Habseligkeiten der Juden, welche ins Ghetto gebracht wurden zusammengetragen wurden. Die Habseligkeiten kamen auf Wägen, wo sie von tschechischen Polizisten nach versteckten Gegenständen durchsucht wurden.
Tessar erinnert sich an alles, auch an Daten. Namen und Plätze rufen in ihn Geschichten wieder wach. "Wir waren die "Stars" von Theresienstadt und jeden Sonntag Nachmittag feuerten 3500 Zuschauer die Spieler der Liga an.
Die jungen Leute erhoben ihn als Vorbild zum Nachahmen, sie setzten ihre Hoffnung in ihn, denn er war wahrscheinlich ein Symbol, welches das Leben für sie repräsentierte. In ihrem Leid, ihrer Niedergeschlagenheit und ihrem Elend war Hoffnung eine Seltenheit. Wir spielten für sie, denn wir wussten, dass sie früher oder später in den Osten geschickt würden. Wir hatten das Gefühl, dass wir ein kleiner Hoffnungschimmer vor ihrem Tod waren."
Tessar wurde von Theresienstadt nach Auschwitz geschickt und von dort weiter ins KZ Sachsenhausen, in Norddeutschland und anschließend nach Bayern. Am 26. April 1945 wurde er von den Amerikanern befreit und kehrte in die Tschecheslowakei zurück. Dort fing er wieder in der Fußballmannschaft an zu spielen, doch nach einer Verletzung kehrte er zum Eishockey zurück und war der Mannschaftskapitän seines Landes zur Olympiade 1948 in London. Auf dem Heimweg über Paris, sah er die tschechische Eiskunstläuferin Eliska Hawoluba und verliebte sich in sie. In Prag trafen sie sich wieder, wurden ein Paar und beschlossen in den Westen zu desertieren.
"Als ich zum Todesmarsch gezerrt wurde, sagte ich mir, dass falls ich überlebe, ich eine Familie gründen werde, die nicht in Europa leben wird", sagte er diese Woche. Er erzählte, dass er es erwog mit seiner Frau nach Israel zu gehen, doch es lag ihm zu nah an Europa. "Hitler war für mich immer noch gegenwärtig und ich wusste, dass Geschichte sich immer wiederholt", erklärt er. Und es gab noch einen Grund: "Mein Bruder wanderte Ende der 30er Jahre geheim ins Land ein, er war enttäuscht von dem, was er sah und trat schließlich in die britische Armee ein."
1949 kamen sie nach Amerika. Er tauscht seine Sportkarriere mit einer Geschäftskarriere – wie er sagt mit viel Erfolg.
"Meine Frau ist keine Jüdin und unsere Kinder bekamen keine religiöse Erziehung, doch ich bin als Jude geboren und werde als Jude sterben."
"Die Kinderfürsorge Gruppe"
Die Nazis gründeten das Ghetto Theresienstadt in der gleichnamigen tschechischen Stadt, die im Nordwesten des Landes liegt. Dort sammelten sie, zumindest für eine gewisse Übergangszeit, tschecheslowakische Juden und ältere Juden aus Österreich und Deutschland, viele von ihnen waren in der Wissenschaft, Erziehungswesen, Geisteswissenschaft oder als Künstler tätig. In einem Ort indem vorher 7000 Einwohner lebten, pferchte sie unzählige Juden ein. Das Ghetto war das einzige KZ, was die Nazis bis zum Ende an zeigten, da es ein "Musterghetto" war, welches unabhängig geleitet wurde. Und trotz der Enge, des Hungers, der Unterdrückungsmethoden und der "Verschickungen" nach Osten, blühte im Ghetto das kulturelle Leben, und natürlich das Betreiben verschiedener Sportarten, vor allem des Fußballs.
In seinem Buch "Die Suche nach mir", schreibt Peter Erben, der ein Fußballspieler in Theresienstadt gewesen ist, über das, was sie in ihrer Freizeit unternommen haben. Erben ist heute 88 Jahre alt und lebt in Aschdod. Er war Sportler von klein auf und beschäftigte sich in seiner Jugend mit Ski, Eishockey, Athletik und Fußball. Im Alter von 21 Jahren wurde er im September 1942 mit seiner Mutter nach Theresienstadt geschickt und erkannte dort den Turner Freddie Hirsch wieder. Hätten die Nazis nicht die Macht ergriffen, so hätte dieser eine sehr gute Chance gehabt im deutschen Team bei der Olympiade 1936 dabei zu sein.
"Hirsch rettete mein Leben, indem er mir Arbeit gab in der Abteilung "Jugenderziehung", während der Rest meiner Freunde auf einen Transport in den Osten geschickt wurden." Bei seiner Aufgabe im Ghetto als Sportlehrer gab Hirsch starke Werte der Selbstdisziplin, des Körpertrainings,seiner Vorstellung von der Kontrolle des Körpers und des Verstandes, weiter. Seine Schützlinge wurden nicht nur durch Übungen und Spiele trainiert. Seine strengen Hygienekontrollen der Räumlichkeiten der Kinder wurden "eine der 10 Plagen" genannt, schreibt die Autorin Ruth Bondy in ihrem Buch "rausgerissene Wurzeln".
In Theresienstadt fokussierte sich Erben auf die Athletik und erhielt und trainierte dadurch seine Fitness, er rannte täglich im Ghetto. "Ich war jung und arbeitete in einer Aufgabe , die mich nicht körperlich belastete bzw. Leiden verursachte," sagt er. Mein Gefühl war, dass das Essen im Ghetto gut war und die Häufigkeit angemessen. Doch für Erwachsene und Greise, die nicht arbeiteten, gab es nicht genug. Ich bekam manchmal zusätzliche Nahrung auf Arbeit, hier ein Stück Brot, dort eine Scheibe Käse. Wer gut aussah und keine jüdische Nase hatte, bekam zusätzliche Nahrung."
Im ersten Jahr organisierten wir in Theresienstadt 12 Fußballgruppen, die verschiedene Arbeitsplätze repräsentieren sollten. Von 1943 bis Oktober 1944 wurde die Liga so leistungsstark, dass sie auf 6 Vereine beschränkt wurde: "Transportwesen", "Kinderfürsorge", "Kleiderkammer", "Köche und Fleischer", "Die Elektriker" und die "Jugenderziehung". Wegen der Maße des kleinen Fußballfeldes, spielte man in 7er Gruppen und die Fans führten die Spieler lauthals an. "Sie nahmen die Zuschauerplätze und die Fenster der Baracken ein und die Luft vibrierte wie bei Spielen der Landesliga" schreibt Erben in seinem Buch. "Ich spielte bei der "Kinderfürsorge" und unsere Gruppe wurde von Franta Maier geleitet. Pawel Breda und ich waren in der Abwehr, ebenfalls spielte Schmuel Kalober bei uns. Es gab 3 Spieler unter ihnen Hunza Burka, der Unvergessliche, der es vermochte von jeder Stelle und aus jeder Situation heraus Tore zu schießen. Natürlich hatten wir ein wundervolles Publikum und jeder kannte uns. Auch im Rest des Teams waren hervorragende internationale Spieler, wie Jirka Tausig-Tessar, Torwart der tschechischen Nationalmannschaft."
"Der Fußball gab uns ein gutes Gefühl", sagt Erben. "ES war ein Vergnügen für tausende Gefängnisinsassen. Klar, dass ich beliebt war. Die jungen Frauen waren sehr nett und wir lebten wie alle jungen Menschen in der Welt." Bei den Spielen herrschte ein sportliche Atmosphäre und keiner verhielt sich aggressiv oder gewalttätig gegen andere. "Die Schiedsrichter waren professionell und die Spiele ernsthaft", sagt er. "Wir spielten fair, wir fühlten uns wirklich als Sportler. Es gab eine gesunde Eifersucht. Auch wenn wir gewannen und die anderen verloren, blieb die Freundschaft erhalten."
Drei Jahre war er in Theresienstadt."Wir hofften, dass wenn der Staat Israel gegründet würde, er wie Theresienstadt sei, ein Land dass sich durch eine zionistsiche Organisation mit Werten von Gerechtigkeit und Freiwilligenarbeit auszeichnete", spricht er. "Jeder, der im Rahmen der Leitung der Selbstverwaltung im Ghetto arbeitete, verrichtete eine wichtige Aufgabe. Die Juden bauten die Stadt unter Druck auf . Hirsch stand 6 Uhr morgens auf und kümmerte sich um die Kinder und Jugendlichen, dass diese aufstanden und sich wuschen. Theresienstadt war eine soziologische Erfahrung für ein geordnetes Leben. Wir bereiteten die Jugendlichen darauf vor, den zionistischen Traum in Israel zu verwirklichen.
Eine halbe Zitrone zum letzten Spiel
Jan (Honza) Burka, 85 Jahre alt, lebt heute in Südfrankreich. Das erste, was er diese Woche am Telefon sagte, war, dass er immer noch malt. Vor 2 Jahren erschien sein Buch "Malen um zu überleben" in Prag, ein Album an alle Künstler und Maler von Theresienstadt gewidmet. Aber im Ghetto wurde er nicht als Maler, sondern als Fußballspieler berühmt. Burka, Sohn einer jüdischen Mutter und eines christlichen Vaters, wurde in der Stadt Postoloptry geboren und lernte das Malen an einer Privatschule in Prag. Als er 18 Jahre alt war, wurde er mit seinem Bruder nach Theresienstadt geschickt. Dort musste er im Garten und in der Gemeinschaftsküche arbeiten. Sein Bruder war Zimmermann und beiden gelang es ein Dachzimmer zu bauen, wo Burka malen konnte. Als Sohn eines christlichen Vaters gelang es ihm bis zur Befreiung zu überleben und seine Zeichnungen zu retten.
In seinem Album schreibt Pereg über die Liga von Theresienstadt, dass er in der Gruppe "Kinderfürsorge" spielte und er erinnert sich gut an den Spieltag im Ghetto, als die Leute aufgeregt vom Morgen an auf sie warteten: "Die Größe der Dresdner Baracke war 45 mal 75 Meter. Da es nicht genug Platz gab, mussten die Leute sehr eng in den Eingängen und Fenstern der Baracken zusammenrücken. In der Hauptzelle im ersten Stock, wurden immer Plätze für SS-Offiziere freigehalten, die die Spieler voller Freude und mit vollem Eifer anfeuerten, genau so, als wären sie selbst Juden."
Das ganze Spiel dauerte eine Stunde und wurde in zwei Hälften geteilt. "Für viele Gefangene war dies ein ganz besonderer Tag an dem sie für einige Zeit ihre Not vergessen konnten," erzählt er. "Meine Gruppe gewann die Meisterschaft der Liga von 1942 und bei der Liga von 1943 führten die "Fleischer". Vor dem Endspiel gab uns unser Trainer jedem eine halbe Zitrone. Es ist bis heute ein Rätsel, wie er zu solch einem Schatz kam".
Nach Kriegsende bekam Burka einige Angebote verschiedener Fußballvereine in Europa, welche wollten, dass er für sie spiele, doch er lehnte ab. In Amsterdam heiratete er Ellen, eine Dänin, die er in Theresienstadt kennen gelernt hatte. Ihre Tochter Petra Burka, kam im November 1946 zur Welt und 5 Jahre später zog die Familie nach Kanada, dort wurde Petra durch die Meisterschaft des Eiskunstlaufens berühmt. Von der Olympiade 1964, kehrte Burka mit der Bronzemedaille zurück und im darauf folgendem Jahr gewann sie die Meisterschaft.
Die Freude war echt
Eine Delegation des roten Kreuzes besuchte Theresienstadt am 23.Juni 1944. Nachdem Besuch entschieden die Nazis auch der Weltöffentlichkeit zu zeigen, dass die fürchterlichen Bedingungen in den Lagern nur Propaganda der Alliierten sei.
Deshalb entschieden sie einen Film zu drehen in der Art des Dokumentarfilms und das "gute Leben" des Ghettos zu zeigen, und was eignet sich dazu besser als ein Fußballspiel, bei dem tausende Gefangene vor Freude jubeln.
Die Wahl Theresienstadt erhielt die Erlaubnis von Adolf Eichmann. Die Produktion des Filmes kostete 35.000 Reichsmark, der Film wurde durch enteignetes jüdisches Vermögen finanziert. Der Film wurde durch die Mitarbeiter der tschechischen Nachrichten "Aktualia" gedreht. Die Arbeiten zu dem Film "Theresienstadt – ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet" wurden erst im März 1945 in Prag fertiggestellt. Zusätzlich im Film enthalten sind ein Konzert des Orchesters, eine Aufführung der Jazzmusikanten und die Kinderoper. Das erste Mal wurde der Film in Prag einer Gruppen von Nazioffizieren gezeigt, danach sahen diesen Repräsentanten des roten Kreuz. Sogar Israel Kästner, der ein Delegierter des Komitees zur Rettung der ungarischen Juden war, kam in Begleitung von 2 Offizieren, die Eichmann unterstellte waren, nach Theresienstadt. Die Kopie des Originalfilms verschwand nach Kriegsende und nur Teile blieben erhalten.
Der holländische Historiker Karel Margry, der dieses Kapitel untersuchte, kam zu dem Ergebnis, dass die erschreckenden Aufdeckungen im Todeslager Majdanek (Lublin), welches durch die rote Armee im Juli 1944 befreit wurden war, dazu führte, dass die Nazis entschieden solch einen sportlichen Propagandafilm zu drehen.
Margry schrieb, dass Himmler in die Produktion des Films involviert war und dass die Häftlinge Theresienstadts dem Film den ironischen Namen gaben:"Der Führer schenkt den Juden eine Stadt".
Die Regie des Films hatte Kurt Gerron, einer der deutschen Stars vor der Machtergreifung der Nazis, ein Kabarettschauspieler und Kinoregisseur. Im Jahr 1928 spielte Gerron den Charakter des Mackie Messer, als "die Dreigroschenoper" von Berthold Brecht uraufgeführt wurde. Während seiner Zeit als Schauspieler wirkte er in 72 verschiedenen Filmen mit, die bekannteste Rolle spielte er neben Marlene Dietrich in dem Film "der blaue Engel" als Zauberkünstler im Jahr 1930.
Der Dokumentarfilm "Gefangener im Paradies", wurde 2003 für einen Oskar nominiert, welcher den Charakter und die Tragödie des Lebens von Gerron erzählt. Gerron, der jüdischer Abstammung war, finanzierte er dem jungen jüdischen Schauspieler Peter Lorre ein Flugticket in die USA, nachdem die Nazis 1933 an die Macht gekommen waren. Er hatte keine Angst um sich selbst und war sicher zu überleben. Als seine Freunde aus Hollywood, der Regisseur Fritz Lang und Peter Lorre, der Schauspieler, verstanden was mit Gerron passieren wird, versuchten sie ihn zu retten und organisierten ihm Arbeit in den Studios. Gerron wies das Angebot zurück, da dass Flugticket nicht für die erste Klasse war. Gerron floh aus Deutschland und hielt sich an verschiedenen Orten in Europa auf und wurde zum Schluss in Holland verhaftet. Im Februar 1944 wurde er nach Thereseinstadt deportiert. In "Gefangener im Paradies" erzählen Überlebende über das Verhalten Gerrons, während des Filmdrehs. Er trug einen Schal um seinen Hals, trug eingefaltetes Taschentuch in seinem Hemd und bekam sogar einen Regisseurstuhl, mit seinem Namen. Trotzdem er den "Judenstern" auf seiner Brust trug und sich ohne SS-Offiziere im Ghetto nicht bewegen durfte, blühte er während der Dreharbeiten auf. Doch aus dem Film "Gefangener im Paradies" wird deutlich, dass er sehr viel Erniedrigung und Beleidigungen ertrug.
Peter Erben berichtete diese Woche, wie sie das Äußere der Häuser, welche auf der Hauptstrasse lagen, oder die man vor dieser sehen konnte, mit Farbe bestrichen.
Erben bekam die Rolle einen Einwohner zu spielen, der einen Kaffee im Café des Ghettos trank, welches eine Imitation des Café "Savarin" in Prag war. Er war auch in einem extra für den Film gegründeten Verein zu sehen, weiterhin bei einem Tanzwettbewerb, in einem Athletikwettkampf und am Ende bei der Fußballliga.
"Wir alle kannten Gerron, den Regisseur und den Schauspieler aus "Ufa", den Hauptstudios des deutschen Kinos damals. "Alles war eine Show in diesem sogenannten Dokumentarfilm, und wir spielten in dieser", berichtet Erben. Gerron filmte die Fussballspiele der Liga montags, als 3500 Zuschauer die Spiele anfeuerten. Bei diesem wurde er nicht als Regisseur gebraucht. Die Freude war echt.
Tessar klingt entschuldigend, wenn er über den Film von Gerron spricht: "Wenn du in einem KZ warst, dann spürst du den nahen Tod und weigerst dich nicht so einen Film zu drehen." Maier denkt anders: "Gerron der arme Gefangene ist auf einmal ein Regisseur und läuft von einem zum anderen Platz, gibt Anweisungen und war vergnügt. Gerron war mehr Deutscher als Jude. Er glaubte daran, dass er gewinnen würde und man ihn verschonen würde. Ich wusste nicht, dass er uns filmen würde, doch man sieht mich sehr deutlich im Film. Er filmte auch meine Waisenkinder und während der Dreharbeiten war er sehr freundlich zu den Kindern. In anderen Szenen fiel mir auf wie autoritär er sein konnte. In Theresienstadt wurde er nicht geschätzt und diejenigen, die mit ihm arbeiteten, konnten ihn nicht leiden. Ich denke ihm war nicht bewusst, dass er seine Seele dem Teufel verkauft hatte.Er glaubte immer noch, dass er etwas zählte und einen Stand in der Gesellschaft hatte."
Gerron gab den Nazis das Paradiesghetto was sie haben wollten. Der Film wurde schon bei jemand anderes bearbeitet. Im Dezember 1944 da war Gerron in Auschwitz schon verbrannt. Am 28.Oktober 1944 stieg er in den Zug ein, der Gefangene in den Osten deportierte. "Wie ein König", berichtet Ada in "Gefangener im Paradies", "und er schaute weder nach links noch nach rechts."
Theresienstadt in Zahlen
Theresienstadt (Terezin in Tschechisch) wurde 1780 als eine Festungsstadt gegründet. Zum Beginn des zweiten Weltkriegs wohnten in ihr 7000 Einwohner. Am 24.November 1941 wurde das Ghetto Theresienstadt gegründet und im Sommer 1942 wurden die nichtjüdischen Bewohner evakuiert. Im September 1942 waren 58.491 Gefangene im Ghetto eingepfercht.
158.000 Juden lebten im Laufe der Zeit im Ghetto, Juden aus Deutschland, Österreich, Holland, Dänemark, Slowakei und Ungarn. 90.000 von ihnen wurden in die Vernichtungslager deportiert und von diesen überlebten 4800. 35.500 Juden starben im Ghetto an Hunger und Krankheiten. Am Tag der Befreiung (8.Mai 1945) lebten dort noch 30.000 Juden. Von 12.121 jüdischen Kindern (Geburtsjahrgänge 1928-1945) die nach Theresienstadt kamen wurden 9001 in die Todeslager deportiert und von ihnen überlebten nur 325.
Ein Artikel aus der Hebräischen Zeitung Haaretz von Dalia Karpel vom 17.04.2009 frei übersetzt von Judith Stern
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