Mit zwei vollbesetzen Kleinbussen fuhr eine bunt gemischte Gruppe zwischen Schulalter und Rente nach Oswiecim.

Jeder Teilnehmer hatte sich im Vorfeld darauf vorbereitet, was ihm begegnen wird. Am Donnerstag und Freitag sind wir dem nachgegangen, was an Kultur und Reichtum unverwechselbarer Menschenleben durch die Shoah ausgelöscht wurde.  Die einzige noch existierende Synagoge und das Jüdische Museum mit dem Café im Haus der jüdischen Familie Kluger war unser Ziel am Donnerstag. Oswiecim war eine mehrheitlich jüdische Stadt, in der Polen und Juden ganz selbstverständlich zusammen wohnten, wirtschaftliche, gesellschaftliche und familiäre Beziehungen pflegten. Deshalb nannten Juden diesen Ort, der sich als Auschwitz für immer als Schandmal in die deutsche Geschichte eingebrannt hat, Oszpicim (Gastfreundschaft)! Am Freitag stand die wunderschöne Stadt Krakau auf dem Programm vor allem mit dem jüdischen Viertel, in dem noch viele Synagogen zu bewundern sind – jedoch ohne eine jüdische Gemeinde. Der alte jüdische Friedhof ist für viele Chaderim (religiöse Juden) wie ein Wallfahrtsort, da dort einflussreiche Rabbiner begraben sind. Erst am späten Nachmittag konnten wir das Schindler-museum auf der anderen Seite der Weichsel besuchen, da der Andrang so groß war. Eindrucksvoll wurden die bedrückende deutsche Besatzung, der polnische Widerstand und die Geschichte von Oskar Schindler und den Schindlerjuden dargestellt.

Am Samstag empfing uns der polnische Reiseführer Jacek Bribram im Arbeits-und Vernichtungs-lager Auschwitz-Birkenau. Hier wurden wir mit den unfassbaren Verbrechen unserer Vorfahren konfrontiert, mit der Entfesselung der Hölle auf Erden. In blindem Gehorsam zu Hitler und Himmler hatte der Kommandant Rudolf Höß eine perfide Selbstorganisation der Vernichtung vor allem von Juden  - hier überwiegend aus Ungarn stammende – in industriellem Maßstab geschaffen. Erschütternd war wie willfährig deutsche Architekten, Ingenieure, eine Krematoriumfirma, eine  Chemiefabrik, die deutsche Reichsbahn beitrugen, diesen Wahnsinn zur Realität werden zu lassen. Unsere Gruppe hatte die Möglichkeit, zwischen Lager II und dem Stammlager „Fountain of tears“ in Birkenau zu besuchen. Dort empfing uns Dorota Leszcynska, die polnische Koordinatorin für den Pavillon von Rick und Dafna Wienecke. Sie führte uns in diesen Dialog des am Kreuz sterbenden jüdischen Messias Jeshua mit einem Überlebenden der Shoah ein. Danach und auch am Sonntag hatte unsere Gruppe die Möglichkeit, mit den Fragen, Ängsten, Zweifeln und der Unfassbarkeit des monströsen Bösen und Verbrechens hier zur Ruhe vor Gott zu kommen. So klang diese Reise aus, indem jeder „Fountain of tears“ auf sich wirken ließ und eine persönliche Zeit im stillen Dialog mit Jeshua hatte. Der Schwere bewusst hatten wir täglich Zeiten des Austausches, des Gebets und feierten gemeinsam das heilige Abendmahl.