Im Mai und Juni durften wir ehemalige Leipziger mit ihren Kindern und Enkeln in unserer Stadt empfangen. Ein Vorrecht war es, mit Josef Aron seinen 81. Geburtstag hier zu feiern. Er genoss die Geborgenheit von Familie im Hause von Kluges. Seine schweren, alptraumhaften Erinnerungen an Bergen-Belsen teilte er mit Schülern des Reclamgymnasiums. Josef hat ihr Herz erreicht. Davon zeugen Briefe, die sie schrieben und eine Sammlung für ihn.

Ein Wunsch wurde ihm vom Intendanten der Semperoper erfüllt: Der Besuch eines Ballettabends in Dresden. Höhepunkte seines Besuchs waren auch die Teilnahme am "Marsch des Lebens" der TOS Gemeinde am Yom Ha Shoah, dem Gedenktag an die Opfer des Holocausts, am 4. Mai  und einem Interview im Gottesdienst der Andreasgemeinde zusammen mit der Überlebenden Ruth Rack aus Sydney. Ihren Besuch in Leipzig hat maßgeblich das Ehepaar Winfried und Margit Buller ermöglicht, die sie nicht nur mit ihrer Begleiterin beherbergt haben, sondern auch die Verlegung der Stolpersteine für ihre Eltern organisiert und finanziert haben. Dieser Aufenthalt in Leipzig hat viel Heilung in ihrem Herzen bewirkt.

Anfang Juni war wieder eine Gruppe von ehemaligen Leipzigern Holocaustüberlebenden und ihren Nachkommen auf Einladung unserer Stadt hier. Meine Frau Maria und ich durften Tamara mit ihren Enkeln Yael und Elia näher kennen lernen. Tamara konnte noch rechtzeitig mit ihren Eltern erst nach Polen und von dort dann nach Chile aus Deutschland vor den mörderischen Schergen fliehen. Erst in den 90-iger Jahren hat sie mit einer Tochter Aliyah nach Israel gemacht und wohnt heute mit Enkelin Yael in Yoknam in der Nähe von Haifa. Die andere Tochter lebt noch in Santiago de Chile mit ihrem Sohn Elia. Wir haben einen kurzen Weg der Versöhnung mit ihnen begonnen, den wir in Israel fortsetzen werden.